Xenos, mein Bruder – IV

Abgesehen von einem kleinen, nicht wirklich gefährlichen Unfall auf dem Bau blieb mir ein weiteres Ereignis für immer gegenwärtig:
Als Ferienarbeiter, damit als derjenige mit dem geringsten Stundenlohn, war ich zuständig dafür, für alle das Frühstück – auf schwäbisch Vesper – einzukaufen. Zuerst zum Bäcker wegen der Brötchen, dann zu verschiedenen Metzgern, um Wurst und Salami zu kaufen.
Einer der Arbeiter, ein Jugoslawe aus Bosnien (damals noch jugoslawisch), und was mir damals nicht klar war, ein streng gäubiger Muslim, wollte Rindfleisch in der Dose haben, das ich im Kaufladen holen sollte.
Während ich mit den anderen Kollegen meine Einkäufe abrechnete, stellte der Bosnier fest, dass die Rindfleischdose etwa zehn Prozent Schweinefleisch enthielt. Mit Tränen in den Augen erklärte er, das er das nicht essen dürfe. Mir wurde bei dieser Gelegenheit klar, welche tiefgreifende Einflüsse strenge religiöse Verhaltens-Regeln auf Einzelpersonen und auf das gesellschaftliche Leben nehmen können.
Was mich sehr beeindruckte, war, dass selbst die streng katholischen italienischen Kollegen die Betroffenheit des Bosniers respektierten. Sie haben auch immer toleriert, dass er als Muslim sich manchmal anders verhielten, als sie selber.